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  • Andrea Allihn

Im Hier und Jetzt bleiben


Es ist Tag 22 für mich, seit Corona mein und unser aller Leben ver-rückt hat. 22 Tage lang gefühlter Stillstand. Aus dem vollem Lauf des Alltags ausgebremst. Und meine ersten Gedanken drehen sich um die beiden Begriffe „Krise“ oder „Chance“. Ich habe mich für „Chance“ entschieden.

Aber heute erlaube ich mir einen kurzen Blick zurück zu werfen. Es ist meine persönliche Analyse eines Zeitfensters, in dem es auch krisenhafte Momente wie Angst und Unsicherheit gab. Ängste, wie lange ich wirtschaftlich diese Vollbremsung durchhalte? Unsicherheit über meine Zukunft.

Und DAS mir, wo in den Top five meines Wertekanons der Wert „Sicherheit“ ganz oben steht und damit eine Wertekollision vorprogrammiert ist. Aha! Deshalb fühlt es sich so bedrohlich und irritierend für mich an. Also ist dieses Gefühl ganz folgerichtig, wenn mir vermeintlich die Möglichkeit genommen wird, für meinen ganz persönlichen Wert „Sicherheit“ in Verantwortung gehen zu können. Entscheidungen, die mein Leben beeinflussen, treffen nämlich gerade andere und ich erlebe mich in der Emotion der Fremdbestimmtheit und des ausgeliefert Seins. Volles Programm der klassischen Opferrolle! Wichtige Erkenntnis!

Aber stimmt das denn wirklich?

Schnell wird mir klar, dass es MEINE Bewertung dessen ist, was gerade im Außen passiert. SIE löst die Emotion „Angst“ in mir aus. Ich besinne mich gleich meines Grundsatzes: Lege dich nicht mit der Realität an und gehe raus aus der Opferrolle! Es ist wie es ist und ich möchte meinen Focus wieder auf die „Chance“ richten. So habe ich es anfangs entschieden.

Ein weiser Spruch kommt mir in den Sinn:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. 

Ich beende die Vergangenheitsanalyse und entscheide mich mit Mut und Zuversicht ganz bewusst im Hier und Jetzt zu bleiben. Jeden Tag, jede Stunde aufs Neue, denn dann erliege ich nicht der energieraubenden Versuchung in meine Zukunftsängste zu verfallen. Dies ist eine Herausforderung, denn das Hamsterrad der Unsicherheitsgedanken dreht sich weiterhin und es ist gar nicht so einfach es immer wieder zum Stillstand zu bringen. Meine Lernkurve steigt steil an. Hier liegt die Chance versteckt. Meine Aufgabe ist es jetzt, sie immer wieder in mein Bewusstsein zu rücken.

Erneut fallen mir Sätze von begnadeten Wortkünstlern ein.

Eva Menasse hat dazu Wunderbares in ihrem Buch „Quasikristalle“ geschrieben:

Das beste Leben ist das gegenwärtige; aber meistens kommt einem die Gegenwart blass vor, sodass man fruchtlos und ermüdend an Vergangenheit und Zukunft herumzupft. Wenn die Gegenwart aufglüht, dann sollte man sich ihr überlassen.“

Hääähhh? „Das beste Leben ist das gegenwärtige“? Das kann nicht ihr Ernst sein, wo gefühlt gerade die ganze Welt auseinander bricht! Oje, schon wieder holt mich das defizitäre Denken ein.

Aber meine Intuition sagt mir, dass sie recht hat.

Ich bleibe in der Gegenwart, im Hier und Jetzt und nehme wahr was ist. Ich fühle, höre, rieche, taste, schmecke...... die Wärme der Sonnenstrahlen (zum Glück hat Petrus keine Pisslaune!), das aufgeregte Zwitschern der Vögel, die den Frühling ankündigen, den Geruch der Luft, die nicht vom dichten Verkehr der Autos und Flugzeuge verpestet wird, die Zartheit einer Eierschale, weil ich Zeit habe Ostereier zu bemalen und nicht zuletzt der Genuss eines Cappuccinos, den ich endlich in Ruhe trinken kann und nicht als Coffee zu go! Als Hochsensible fällt mir das Fühlen und Wahrnehmen leicht und es ist ein sehr intensives Erleben. Wie herrlich ist das denn?!

Plötzlich sind Dinge möglich, die ich vorher als unmöglich erachtet habe. Ruhe, Zeit, Stille. Welch Luxus! Das ist der Moment, wo „die Gegenwart aufglüht“ und ich überlasse mich ihr mit all meinen hochsensiblen Sinnen.

Und was ist da draußen in der Welt los? Ich beobachte ein Feuerwerk an Solidarität, Hilfsbereitschaft , Kreativität u.v.a.m..

Mein Perspektivenwechsel vom angstbesetzten Dysfunktionalen zum stimmungsaufhellenden Funktionalen, vom bedrohlich Unangenehmen zum nährenden Angenehmen lässt mich in Zeiten der Krise die Chance erkennen, die in all dem liegt. Und nur, weil ich mich jeden Tag auf`s Neue bemühe im Hier und Jetzt zu bleiben, gelingt es mir.

Eckart Tolle sagte einmal:

"Wenn Du in vollständiger Akzeptanz lebst, mit allem was ist, dann ist das das Ende aller Dramen in deinem Leben"

Ich habe verstanden, das es auch darum geht, mir die Dinge bewusst zu machen, die mir keiner nehmen kann, komme was da wolle. Und gleich ist die eigene Stimmung gut. Sie gibt mir die Energie ins Handeln zu kommen und all das umzusetzen, was ich schon immer machen wollte, aber mich entweder nicht getraut habe oder nie die Zeit dafür hatte, z.B. meinen ersten Blog zu schreiben. Voila!

Ein neuer Gedanke blitzt auf. Er dreht sich um „SEIN oder SCHEIN?“ Aber dazu mehr in meinem nächsten Blog.

Alles Liebe

Eure Andrea

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